Folx TV kann nicht mehr senden- das allein ist noch kein Skandal!

Paukenschlag in der Volksmusikszene: Dem Sender Folx TV wurde von der ORF-Tochter ORS die Sendefrequenz gekündigt. Grund: Verbindlichkeiten von 567.000 Euro.

In einer Aussendung macht sich die FPÖ stark für den Sender, schreibt von einem Skandal und stilisiert Folx TV zum Corona Opfer. „Die schwarz-grüne Bundesregierung sowie der für Medien zuständige Bundeskanzler Kurz hätten hier sofort aktiv werden müssen und den Fortbestand des Senders auch für dessen vier Millionen Zuseher sichern müssen”, schreibt die Partei.

Nun, die Wahrheit ist eine etwas andere. In der Branche weiß man schon seit Jahren, dass der in slowenischem Besitz befindliche Sender, der 2013 gegründet wurde, große finanzielle Probleme hat. Vor einigen Jahren gab es auch Kündigungen in Österreich. Ein Plattenproduzent aus Tirol investierte schon seit einiger Zeit eine namhafte Summe in den Sender, doch das dürfte auch nicht viel geholfen haben. Mit Corona hat das alles nichts oder nur sehr wenig zu tun.

Dass Folx TV jetzt der Hahn abgedreht wurde, ist sicher bedauerlich für die vielen Fans des Senders (dessen Programm übrigens fast zur Gänze von den Künstlern selbst bezahlt werden musste) und für das sympathische Moderatorenduo Clara Ploder und Daniel Düsenflitz, doch es ändert nichts daran, dass seriöses Wirtschaften auch für einen Volksmusiksender gilt und Verstöße dagegen entsprechende Konsequenzen nach sich ziehen.

Kommentar von Lothar Schwertführer:

Wenn die FPÖ von einem Skandal im Zusammenhang mit der Schließung von Folx TV spricht, so hat sie  vollkommen recht. Das Skandalöse ist aber nicht das Zusperren des Senders, sondern der Umstand, dass die ganze Volksmusikszene schon seit Jahren grob vom ORF vernachlässigt wird und man einen wichtigen Teil des österreichischen Musiklebens einem Privatmann aus Slowenien überlässt (überlassen muss), weil es sonst fast nichts gibt. Sendeplätze, wo im Radio und Fernsehen noch volkstümliche Musik gespielt wird, kann man mit der Lupe suchen. Coronabedingt wurde jetzt auch noch das Musi Open Air, die letzte Bastion der volkstümlichen Musik im Fernsehen, auf nächstes Jahr verschoben. Österreichische Musik im Generellen, aber Volksmusik, volkstümliche Musik und Schlager im Besonderen, müssten gerade in einer Krisensituation wie jetzt viel mehr im ORF gespielt werden, um a) den zig tausenden Fans dieser Musikrichtung für ihre hohen Gebühren etwas zu bieten, und b) um die Tantiemen im Land zu halten. Das geschieht aber nicht. Hier müsste die Politik, auch die FPÖ aufschreien und den ORF-Verantwortlichen auf die Finger klopfen, tut sie aber nicht. Und das ist der wirkliche Skandal!

 

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