Die Lift-Szene: v.l.: Sylvia Schneider, Otto Jaus, Paul Pizzera und Volksmusikstar Melissa Naschenweng. Foto: ORF/Samsara/Ricado Gstrein

TV-Kritik von Maximilian Schwertführer

„Neo Nuggets“ ist die Fortsetzung von „Pulled Pork“. In den Hauptrollen stehen erneut Paul Pizzera und Otto Jaus, während „Fack ju Göhte“-Star Gizem Emre stärker in den Vordergrund rückt. Melissa Naschenweng bekommt nur eine kurze, dafür lustige und gut gespielte Gastrolle. Die Komik von Pizzera und Jaus funktioniert zunächst gut, wird aber irgendwann schlicht „too much“. Ein Gag jagt den nächsten, eine Absurdität die andere. Ihr Zusammenspiel hat Tempo und Schmäh, doch irgendwann kippt das Ganze ins Überdrehte. Für den klassischen ORF-Zuschauer dürfte dann vor allem eine Frage bleiben: Worum geht es eigentlich?

Die Handlung wirkt unnötig kompliziert und verliert sich immer wieder in Nebenschauplätzen. Parallelmontagen und andere filmische Stilmittel wirken teilweise eher wie die Demonstration filmtechnischer Möglichkeiten als wie Mittel, die der Geschichte wirklich helfen. Regisseur Andreas Schmied lässt Techniken wirken, vergisst dabei aber zu oft den Zuschauer. Film darf verspielt sein, aber am Ende sollte man einer Geschichte auch folgen können. Auch die auffällige Nachsynchronisation nimmt einigen Szenen ihre Natürlichkeit. Schauspieler Förmann überzeugt zwar durch seine klare Aussprache und seine hörbare Erfahrung als Synchronsprecher, wirkt durch die Nachsynchronisation aber stellenweise beinahe entrückt. Michael Niavarani wiederum geht neben dem Dauerfeuer von Pizzera und Jaus überraschend unter. Von seiner sonst so starken Bühnenpräsenz bleibt hier deutlich weniger übrig. Und dann ist da die Handlung selbst – oder besser gesagt: der Versuch, sie zu finden. Schon das Intro erinnert an James Bond. Wer 007 bisher für unrealistisch hielt, sollte „Neo Nuggets“ sehen. Danach erscheint Bond beinahe wie eine Dokumentation. Die Absurdität ist dabei offensichtlich gewollt, doch gerade deshalb wäre eine klarere dramaturgische Linie umso wichtiger gewesen.

Positiv überrascht Sylvia Schneider, die authentisch und natürlich wirkt. Auch Melissa Naschenweng überzeugt in ihren wenigen Minuten. Gerade deshalb stellt sich die Frage, ob einer der größten österreichischen Musikstars noch derart kleine Gastrollen annehmen sollte. Wer ihre zahlreichen Fans zum Einschalten bewegt, sollte ihr auch entsprechend Raum geben. Für eine Rolle von nur wenigen Minuten ist ihre Zugkraft eigentlich zu groß.

Unterm Strich: viele bekannte Gesichter, viel Technik, viele Gags – aber kaum eine klare Linie. Bei rund zwei Millionen Euro öffentlicher Filmförderung darf man sich fragen, ob das Ergebnis erzählerisch und technisch den Erwartungen entspricht.

„Neo Nuggets“ möchte verrückt, wild und anders sein – und verliert sich dabei völlig selbst. Oder weniger diplomatisch: Schwachsinn pur. Leider.