Esther Sedlazcek und Florian Silbereisen moderierten die Goldene Henne 2026. Foto: ARD/MDR/Frank Zauritz

Kommentar: Die Scheinheiligkeit der ARD hat längst System. Einerseits fördert das Erste Political Correctness bis weit über die Schmerzgrenze hinaus. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass bei der öffentlich-rechtlichen Filmförderung im Vorfeld akribisch darauf geachtet wird, ob die Quote stimmt – etwa ob mindestens ein Schauspieler der queeren Szene und ein Darsteller of Color im Cast vertreten sind. Da wird das Ganze dann endgültig diskutabel: Das Drehbuch und die Regie müssen sich schließlich dem ideologischen Korsett fügen, nur um überhaupt an die dringend benötigten Gelder zu kommen. Ähnliches erlebt man beim ZDF, wo Markus Lanz als vermeintlich härtester Journalist inszeniert wird, vor dem Politiker zittern. Das deutsche Fernsehen will schlichtweg belehren.

Umso entlarvender ist es dann, wenn man am 4. September die Verleihung der „Goldenen Henne“ verfolgt – seit über 30 Jahren der angebliche Medienpreis Deutschlands. Schon der Anglizismus für die Kategorie „Entertainment“ offenbart diesen künstlichen Zeitgeist, fast so, als würde man sich für die eigene Sprache schämen. Wenn dann Stand-up-Comedian Felix Lobrecht in dieser Kategorie gewinnt, mag das dem Publikumsgeschmack entsprechen. Doch die anschließende Inszenierung schlägt dem Fass den Boden aus.

Die Laudatio hält Filiz Tasdan – sichtlich nervös, bis in die Totale hinein mit zitternden Händen, was menschlich verständlich ist, aber die Nervosität sprach Bände. Dann verliest sie einen angeblich von Lobrecht selbst geschriebenen Brief, in dem dieser witzt, er sei zwar nur 1,55 Meter groß, aber sein Gemächt sei größer – gereimt auf Markus Lanz.

Natürlich ist damit nichts anderes als das männliche Glied gemeint. Genau hier offenbart sich die schreiende Doppelmoral der Anstalten: Dieselbe ARD, die jede Silbe auf die Goldwaage legt und den Zuschauer permanent bevormundet, sendet zur besten Sendezeit primitiven Schenkelklopfer-Humor unter der Gürtellinie. Eine Entschuldigung der ARD für diesen intellektuellen Tiefpunkt wäre da mehr als angebracht – und zwar nicht erst, wenn mal wieder eine technische Störung vorliegt. Am Ende bleibt von diesem Abend vor allem eines: eine Schande für einen Sender mit Bildungsauftrag.

Maximilian Schwertführer