Der Steirer Joachim Scherz: Seit 16 Jahren “musikalischer Gastarbeiter” in China

Der Steirer Joachim Scherz ist in China schon fast zuhause

Seit 2004 verbringt der Steirer Joachim „Joe“ Scherz, Bandleader von EDELWEISS-POWER, mit wechselnden Teams die Hälfte des Jahres in Asien.  Hauptsächlich in China, aber auch in Singapur und Indonesien. Als er im November 2019 den Rückflug von China nach Österreich antrat, dachte er nicht im Geringsten daran, dass es vielleicht für längere Zeit der letzte Rückflug sein würde.

Bedingt durch den wöchentlichen Städte-Wechsel während einer Tour (also innerhalb von 6 Monaten über 20 verschiedene Städte und somit Auftrittslocations), und das über 15 Jahre hinweg, wurden aus vielen „Kunden“ wirkliche „Freunde“ – und mit denen war Joe bereits im Dezember in intensivem Kontakt. Schon damals kristallisierte sich heraus, dass der üble Virus vor allem China hart treffen würde.

Corona ist auch eine Katastrophe für zigtausend Künstler

Oktoberfest in China, als die Welt noch heil war und von Corona noch keine Rede war

“Neben der allgemeinen Katastrophe muss man sich vorstellen, dass allein in China zigtausende Musiker tagtäglich in Hotels, Restaurants und Klubs spielen – allein meine befreundete Agentur hat über 300 KünstlerInnen unter Vertrag. Die meist aus den Philippinen oder Kuba stammenden Musiker durften über Nacht in China nicht mehr auftreten. Abgesehen vom finanziellen Schaden für diese Musiker, die wirklich für ihr Überleben und das ihrer Familien spielen, war die Herausforderung vor allem, diese aus China in ihre Herkunftsländer wieder zurückzubringen. Wer organisiert? Wer zahlt? Visumsproblematiken”, erzählt Joachim Scherz.

Für ihn und seine Musiker war es klar, dass dieses Jahr sicher anders verlaufen wird. Bei einem Auslandsaufenthalt in seiner zweiten, manche sagen dritten Heimat in Kenya, im Februar/März dieses Jahres, kristallisierte sich anfänglich eine deutliche Besserung in China heraus. Diverse Hotels und Restaurants öffneten wieder die Pforten und es zeichneten sich hellere Wolken am Wirtschaftshimmel ab. Joe verspürte Hoffnung und war so erleichtert, dass die Krise in China sich dem Ende zuneigt.

Ob Chinesen oder Europäer – in der Tracht sind alle schön

“Dass sich nun auch in Europa dieser Virus so festsetzt, war für mich sowie für viele andere sicher auch eine Überraschung”, sagt er.

Seine chinesischen Kunden wollen ihn wieder für eine Tournee haben

Joe ist täglich in Kontakt mit seinen Kunden, die gerne hätten, dass er mit seinem Team zumindest eine verkürzte Tournee in Asien spielt. “Planungen dahingehend laufen natürlich im Hintergrund weiter. Niemand kann im Moment sagen, wie sich die Lage vor allem in Europa weiterentwickelt. Jetzt gilt es aber zuerst die ganze Energie aufzuwenden, um den Virus zu bekämpfen – wobei so viel Energie braucht man ja gar nicht – only STAY AT HOME!”

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